Schilddrüsenunterfunktion

Schilddrüsenunterfunktion / Hypothyreose beim Hund

Heutzutage leiden immer mehr Hunde an einer Schilddrüsenunterfunktion. Sie ist mittlerweile eine der häufigsten endokrinen Funktionsstörungen bei Hunden. Meistens sind mittelgroße und größere Rassen, als kleinere betroffen, dennoch kann sie bei allen Rassehunde und Mischlingen auftreten.
Es gibt verschiedene Formen der Schilddrüsenunterfunktion.
Man sagt das die häufigste Form wohl die autoimmune Schilddrüsenentzündung = Hypothyreose ist, es ist eine Autoimmunerkrankung mit Erbdisposition, eine primäre Schilddrüsenunterfunktion, aber auch nicht autoimmune Schilddrüsenunterfunktionen kommen vor.

Autoimmun bedeutet, dass das Immunsystem sich gegen den eigenen Körper wendet und körpereigene Zellen angreift und zerstört. Die Anfälligkeit dazu besitzt eine genetische Basis. Autoimmunkrankheiten nehmen ständig zu. Die vier Hauptauslöser für Autoimmunkrankheiten sind: genetische Veranlagung, Hormoneinflüsse speziell von Sexualhormonen, Infektionen besonders durch Viren aber und Stress.

Bei einer autoimmune Schilddrüsenunterfunktion greift somit das Immunsystem das Schilddrüsengewebe an und zerstört dieses.

Des weiteren kann es auch zu einer sekundären Hypothyreose kommen, hier entsteht ein Mangel an dem schilddrüsenstimulierenden Hormon TSH. TSH wird in der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) produziert. Eine Hypophysenschwäche kann u.a. auch in einzelnen Fällen bei Hunden auftreten.

Ebenso gibt es noch die tertiäre Hypothyreose, eine Unterfunktion die durch ein Mangel an TRH ( thyrotropine releasing Hormon ) welches im Hypothalamus produziert wird entstehen oder aber durch eine Unterbrechung des Systems zwischen Hypothalamus und Hypophyse. Dieses ist aber bei Hunden so noch nicht aufgetreten und nachgewiesen.

Die schilddrüsenproduzierenden Hormone sind für vielen Abläufe wie z.B. die embryonale Entwicklung, Geschlechtshormone-Fortpflanzung, Wachstum, Pigmentierung, die Stresshormone und das Haarwachstum im Körper wichtig. Da die Schilddrüse auch am gesamten Stoffwechsel beteiligt ist, da sie alle Zellfunktionen im Körper reguliert, können die Symptome bei einer Unterfunktion sehr vielfältig sein. Aufgrund dessen ist die Diagnose auch sehr schwierig. Es gibt eine Reihe von Anzeichen und Symptome, die meisten treten erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Es gibt aber auch einige Anzeichen, die auf ein Hormonmangel hinweisen, die früher erkennbar sind. Oft sind es auch Verhaltensauffälligkeiten die durch Stressanfälligkeit, Ängstlichkeit oder aggressives Verhalten gezeigt werden.

Aufgrund der Vielfältigkeit, hier ein Überblick über Symptome und Verhaltensauffälligkeiten, die durch eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen können.

Anzeichen und Symptome der Schilddrüsenunterfunktion beim Hund:

Es können einige Veränderungen im Zellstoffwechsel entstehen wie z.b. Trägheit, Müdigkeit, Antriebsschwäche, keine Ausdauer / Kondition, Stimmungsveränderungen, Erschöpfungszustände, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme aber auch Gewichtsverlust, neurologische Probleme, epilepsieähnliche Anfälle, Wachstumsstörungen, immer wieder auftretende Infektionen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinn

Leber und Nierenprobleme

Magen-Darm Probleme z.B. Verstopfungen, Durchfälle, Übelkeit, Krämpfe, Erbrechen

Pankreasprobleme z.B. Pankreatitiden

Herzprobleme wie z.B. langsamer Herzschlag (Bradycadie), vergrößertes Herz (Kardiomyopathie), Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienzen

Endokrinologische Probleme wie z.B. Probleme mit den Nebennieren, Nebenschilddrüse, Anfälle

Augenprobleme wie z.B. Fettablagerungen in der Hornhaut, eiternde oder geschwürbildende Hornhaut, Vogt-Koyanagi-Harada Syndrom, Uveitis, trockenes Auge, Infektionen der Augenliddrüse (Meibomian-Drüse)

Probleme mit dem Bewegungsapparat – Neuromuskuläre Probleme wie z.B. Steifheit, Lahmheiten, Wasserablagerungen in den Gelenken, Megaösophagus, Muskelschwächen und Abbau, Kopfschiefhaltung, Lähmungen im Gesichtsbereich (trauriger Gesichtsausdruck – Schwellung und oder hängenlassen der Augenlider), Inkontinenz, Durchtrittigkeit, Sehnen und Bänderprobleme

Hautkrankheiten wie z.B. Seborrhöe mit fettiger oder trockener Haut, schuppige Haut, Haarausfall, Alopezie, Welpenfell, mattes, glanzloses, rauhes Fell, schwarze Hautflecken, Pigmentstörungen, Überpigmentierungen, Hot Spots, bakterielle Hautinfektionen, Myxödem, unangenehmer Geruch, ständig wiederkehrende oder chronische Ohreninfektionen, schlechte Wundheilungen

Fortpflanzungsstörungen Unfruchtbarkeit, fehlende oder gesunkene Spermienzahl, Hodenverkrümmungen, ausbleibende oder verlängerte und öfter auftretende Läufigkeit (3 x im Jahr) oder verlängerter Läufigkeitsabstand, stille Hitze, starke Scheinträchtigkeiten, sterbende oder totgeborene Welpen, schwache Welpen, Fehlgeburten, zuviel Milchproduktionen, Deckprobleme – lässt sich nicht decken

Hämatologische Probleme wie z.B. auftretende vermehrte Blutungen, Knochenmarksversagen, niedriege Anzahl der roten Blutkörperchen (Anämie), der weißen Blutkörperchen und Plättchen, erhöhter Cholesterinspiegel

Verhaltensänderungen wie z.B. ängstliches Verhalten, Phobien, Zwanksverhalten, Geräuschempfindlichkeiten, aggressives Verhalten, Passivität, Disorientierungen, Stimmungsschwankungen, Hyperaktivität, mangelnde Aufmerksamkeit, Deppressionen, keine Spielinteresse, extrem unterwürfig, desinteressiert, Reizbarkeit, nicht mehr Aufnahme- und Lernfähig

Natürlich können viele dieser Anzeichen / Symptome auch aufgrund anderer Erkrankungen auftreten, darum ist eine gründliche Anamnese und verschiedene Untersuchungen für eine Diagnose sehr wichtig. Ein einzelner Wert wie z.B. der T4 Wert ist daher nicht aussagekräftig und reicht nicht um eine Schilddrüsenunterfunktion zu diagnostizieren.

Im Zusammenhang mit vielen verschiedenen Erkrankungen kann es zu einem Abfall der zirkulierenden Schilddrüsenhormone kommen. Dieses Phänomen wird als „Euthyroid Sick Syndrome“ (ESS) oder Nonthyroidal illness (NTI) bezeichnet.

Infektionskrankheiten, Nieren und Lebererkrankungen, Zeckenerkrankungen, allergische Reaktionen, Unfallfolgen, Morbus Addison oder Cushing-Syndrom, Diabetes mellitus oder chronischer Stress können z.B. Ursache für den Abfall der Hormone sein.

Man geht davon aus, dass es sich beim NTI / ESS um eine physiologische Anpassung des Körpers handelt, die zum Ziel hat, den zellulären Stoffwechsel während der Krankheit herabzusetzen.
Je schwerer die Erkrankung ist, desto größer ist der suppressive Effekt auf die Schilddrüsenhormon-Konzentration. Lässt sich diese Erkrankung feststellen, sollte diese behandelt werden und nicht mit dem Hormon Thyroxin substituiert werden. Nach der Behandlung der Grunderkrankung werden die Schilddrüsenwerte wieder ansteigen, da die Schilddrüse ihre Tätigkeit wieder aufnimmt und weiter arbeiten wird. In diesem Fall liegt keine wirkliche Schilddrüsenunterfunktion vor. Eine NTI liegt bei unseren Haushunden mittlerweile sehr oft vor, leider wird dort meist zu schnell mit einem Thyroxinpräparat substituiert. Diese Hunde lassen sich teils auch sehr schwer einstellen, behalten einige der Symptome oder sie verschlechteren sich sogar, mit anfänglicher Besserung. Die Erkrankung wird in diesem Fall eventuell weiter fortschreiten und unentdeckt bleiben.

Leider ist es aber oftmals so, dass man nicht weiß was als erstes war. Ist eine NTI/ESS vorhanden und die Schilddrüse schaltet auf Sparflamme oder hat die Schilddrüsenunterfunktion die Organe geschädigt oder den dazugehörigen Stress verursacht.

Bei einer chronischen Erkrankung (NTI), die nicht mehr komplett ausheilen wird, bei der die Schilddrüse ihre Arbeit teils eingestellt hat, wäre es in einigen Fällen sinnvoll mit Thyroxin zu substituieren um die Schilddrüse zu unterstützen, damit die weiteren Abläufe im Körper, die ebenso Thyroxin benötigen, nicht darunter leiden. Dieses muss sehr individuell entschieden werden.

Aber auch die Ernährung sollte komplett mit berücksichtigt werden. Eine unausgewogene Ernährung kann nicht nur zu Mangelerscheinungen (wichtige Nährstoffe für die SD sind u.a.: Eisen, Jod, Selen, Zink, Vitamin B´s), sondern auch zu Organprobleme wie z.B. Magen-Darm, Leber-, Nieren- und Nebennierenrindenprobleme, sowie zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Auch in diesem Fall gibt es niedrige SD-Werte, da die Schilddrüse aufgrund dessen nicht genügend Hormone produzieren kann.

Treten bei einem Hund vermehrt Verhaltensveränderungen und oder Symptome auf, sollte man u.a. die Schilddrüse mit untersuchen lassen.
Bei Verhaltensauffälligkeiten / -veränderungen können auch eine Vielzahl anderer medizinischer Ursachen in Frage kommen.

Daher sollte die medizinische Untersuchung bei Verdacht auf Schilddrüsenunterfunktion immer folgendes beinhalten:

  • einen kompletten Anamnese
  • Laborteste wie Organprofil, ein großes Blutbild und ein Schilddrüsenprofil, eine Urin- und Kotuntersuchung
  • Herzuntersuchung

Je nach Probleme folgen weitere Untersuchungen wie z.b.

  • Zeckenkrankheiten
  • Mittelmeerkrankheiten
  • Bauchultraschall
  • Morbus Cushing / Morbus Addison
  • Diabethes
  • Allergien
  • Mangelernährung (Jod, Zink, Eisen, Selen, B6 usw.)
  • Bewegungsapparat

usw.

Wenn diese Tests ein negatives Ergebnis nachweisen, sollte ein qualifizierter Verhaltenstherapeut aufgesucht werden.

Ratsam ist es, da SD-Unterfunktionen mittlerweile bei vielen Hunden weit verbreitet sind, jährlich seinem Vierbeiner auf seine Schilddrüsenhormone testen zu lassen.

Es wird leider auch oft übersehen, dass SD-Unterfunktionen sich mit der sexuellen Reife entwickeln können und dieses leider so oft als Problem in der Flegelzeit herabgestuft wird. In der Zeit zwischen 12 – 18 Monaten kommt es gerade bei Rüden häufig vor, dass sie aggressives Verhalten zeigen auf Grund einer SD-Unterfunktion und nicht weil sie in der Entwicklung eine schwere Phase durchlaufen.

Hier wird dann oft Versucht mit Gewalt gegen zusteuern, der Hund bekommt noch zusätzlichen Stress und der Teufelskreislauf beginnt. Bei ängstlichen und aggressivem Verhalten von Hunden sollte vor Trainingsbeginn immer erst ein Gesundheitscheck beim Tierarzt vorgenommen werden.

Ebenso können die Schilddrüsenwerte nach einer Kastration aufgrund der hormonellen Veränderungen sinken, auch hier sollte man auf Verhaltensveränderungen achten und gegebenenfalls die Schilddrüse testen lassen.

Die meisten Tierärzte nehmen nur den T4 Wert, der aber alleine nicht immer aussagekräftig ist. Besser wäre ein kompletter Check + Schilddrüsenprofil machen zu lassen, ansonsten kann eine Erkrankung, die eventuell die Ursache ist, (NTI / ESS) schnell übersehen werden. Es kommt leider auch vor das vorschnell Thyroxin substituiert wird, obwohl eigentlich keine SD-Unterfunktion vorliegt. Genauso gibt es den umgekehrten Fall, das der Hund eine Schilddrüsenunterfunktion hat, diese aber nicht erkannt wird.

Ein Schilddrüsendiagnositik beinhaltet zusätzlich zu den oben angegebenen Untersuchungen folgende Werte:

  • fT3, T3 (Trijodthyronin)
  • fT4, T4 (Tetrajodthyronin)
  • TSH (Hormon im Kreislauf zwischen Hypophyse und Schilddrüse)
  • Selen (Selen beeinflusst die Schilddrüsenfunktion)
  • Zink (Zink beeinflusst die Schilddrüsenfunktion)
  • Eisen (Eisen beeinflusst die Schilddrüsenfunktion)
  • Vitamin B
  • Jod (Jod ist essentiell für die SD, Test über Urin)

Cortisol (hohe Cortisolwerte korrelieren oft mit niedrige SD-Werten, das macht den Hund noch Anfälliger für Stress und der Teufelskreislauf beginnt – Cortisol ist ein Stresshormon. Umgekehrt genauso, wird kein bzw. sehr wenig Cortisol produziert, aufgrund dessen das die Nebennieren nicht mehr richtig arbeiten, kann nicht genügend Thyroxin produziert werden, da Cortisol dafür benötigt wird.)
Cortisol sollte im Urin getestet werden, da der Cortisolwert bei dem kleinsten Stress ansteigen wird und somit die Blutwerte falsche Ergebnisse liefern.

Antikörpertest gegen Proteine die SD-Hormone binden

Suchen sie sich ein qualifizierten Tierarzt oder Tierheilpraktiker/Verhaltenstherapeut, der im Bereich Endokrinologie / Schwerpunkt Schilddrüse arbeitet und auch eine vernünftige Beurteilung geben kann.

Oftmals wird der Hundebesizter mit dem Laborbefund, die Schilddrüsen-Werte seien OK, sie liegen doch im Referenzbereich, beruhigt. Leider ist diese Aussage nicht immer richtig.
Was ist OK oder normal? Normal niedrig oder normal hoch, es kann alles bedeuten. Hier muss man dann schauen ob die Werte für diesen Hund ausreichend sind und eine Ausschlussdiagnostik betreiben.
Die gleichen Schilddrüsenwerte können bei dem einen Hund normal sein und gleichzeitig bei einem anderen eine SD-Unterfunktion bedeuten.
Grundsätzlich sind Werte im unteren Drittel als Anzeichen einer beginnenden Störung zu bewerten. Eine genauere und weitere Untersuchung des Hundes, einschließlich seiner Lebensweise, ist dringend anzuraten.

Jüngere Hunde haben meistens höhere Werte als ältere, kleinere Hunde haben höhere Werte als größere Hunde und dennoch ist es so individuell bei jedem Hund das man die Referenzwerte nur als Hilfe nehmen kann.

Copyright: Freundschaft Hund – Gemeinsam durchs Leben, Tina Müller